Verabschiedung Pfr. Simon Wiegand

Verabschiedung von Pfarrer Simon Wiegand

 

Am 20.02.2022 waren es fast auf den Tag genau vier Jahre, dass sich Pfarrer Simon Wiegand in unserer Gemeinde vorgestellt hat. Und nach gut dreieinhalb Jahren segensreichen Wirkens fand ein Gottesdienst mit anschließendem Empfang zu seinem Abschied statt.

Denn Pfr. Wiegand wird ab dem 01. März 2022 in der Philippusgemeinde im Ökumenischen Gemeindezentrum in Darmstadt-Kranichstein tätig werden. Die multikulturelle, multiethnische und ökumenische Ausrichtung dieser Gemeinde entspricht sicherlich gut dem Ausbildungs- und Interessenprofil von Pfr. Wiegand. Zudem wird bei uns Ende 2024 die volle Stelle für eine Pfarrperson in eine halbe Stelle umgewandelt, so dass ohnehin ein Wechsel angestanden hätte.

Die Kirche war gut gefüllt zu diesem Verabschiedungsgottesdienst, der von Pfr. Wiegand selbst und Herrn Dekan Arno Allmann gestaltet wurde. Dekan Allmann würdigte das gute Gelingen dieser Amtszeit, in der Pfr. Wiegand sich als Brückenbauer zwischen der Kirchengemeinde und den Vereinen und Gruppen des Dorfes, als Brückenbauer zwischen den verschiedenen Interessen innerhalb der Kirchengemeinde, als Brückenbauer zwischen Jung und Alt, als Brückenbauer im interreligiösen Dialog, in der Zusammenarbeit im evangelischen Nachbarschaftsbereich und in der Ökumene verstanden hat. Und diese Schwerpunkte spiegelten sich auch in der Zusammensetzung der Besucherschar und in den Grußworten der Vertreter*innen der einzelnen Gruppen wieder.

Für den Kirchenvorstand und den Gospelchor wurde ein „Thank you“ des Chores eingespielt (wegen der pandemiebedingten Einschränkungen kein Live-Auftritt möglich) und ein Rückblick durch unser Kirchenvorstandsmitglied Susanne Klingelhöfer gehalten. Mit dem Fazit, dass Pfr. Wiegand auf seiner ersten Pfarrstelle mit der ersten vollen Verantwortung unser Leitbild gut mit umgesetzt hat in einer angenehmen und ausgleichenden Zusammenarbeit.

Für die gute Zusammenarbeit mit den politischen Gremien der Stadt und des Ortes standen die Grußworte unseres Bürgermeisters Patrick Koch und unseres Ortsvorstehers Maximilian Schimmel. Auch wenn sich inhaltliche Interessengegensätze, etwa bei der Erhaltung des Außengeländes unserer Kindertagesstätte, nicht immer vermeiden lassen, so ist dies doch immer in einer guten, wertschätzenden Gesprächskultur gelöst worden.

Stellvertretend für die Vereine und Gruppen im Dorf sprach die Vorsitzende des KCC Heike Graf ein Grußwort und drückte ihren Dank für die gute Zusammenarbeit und ihr Bedauern über den Weggang aus. Pfr. Wiegand habe sich von Anfang an in die übergreifenden Veranstaltungen der Dorfgemeinschaft wie Kerb und Karneval eingebracht, als wäre das selbstverständlich. Unvergesslich bleibt sicher der unerwartete Hauptgewinn bei der ersten Kerb, an der Pfr. Wiegand teilnahm und die dazu führte, dass er gleich beim nächsten KCC Umzug auf dem Prunkwagen mitfuhr.

Für die Vertreter der Religionsgemeinschaften sprachen Pfr. Christoph Novak und Gemeindereferentin Hiltrud Beckenkamp aus der katholischen St. Antonius Gemeinde, Herr El Yazidi von der marokkanischen Moschee in Pfungstadt und die Pfarrpersonen Ruth Sauerwein und Bernhard Dienst von der evangelischen Gemeinde Pfungstadt für den Nachbarschaftsbereich.

Den Abschluss bildete unser Gemeindepädagoge für den Nachbarschaftsbereich Kai Becker mit seinen Teamenden aus allen drei Stadtteilen, was die besondere Beliebtheit von Pfr. Wiegand bei den Jugendlichen, insbesondere den Konfirmanden, noch einmal nachdrücklich deutlich machte.

Wegen der besonderen Affinität von Pfr. Wiegand zum SV 98 fehlte es nicht an Anspielungen zu den „Lilien“. Der Kirchenvorstand bedauert natürlich, dass wir uns nicht im Fußball befinden und bei Pfarrpersonen ein ablösefreier Wechsel möglich ist, aber trotz allen Bedauerns wünschen wir Pfr. Wiegand auf seinem weiteren beruflichen und privaten Lebensweg natürlich Gottes reichen Segen und viele interessante neue Aufgaben und Erfahrungen.

In der von Pfr. Wiegand gehaltenen Predigt im Verabschiedungs-Gottesdienst spielte angesichts des einjährigen Gedenktages der rassistischen Morde von Hanau das gemeinsame Zusammenstehen gegen Ausgrenzung und Fremdenfeindlichkeit eine große Rolle. Denn auch in unserem Ort ist es wichtig, den Anfängen zu wehren, weil solch unfassbare Taten der Endpunkt eines hasserfüllten, rassistischen Verhaltens sind, aber bereits den geistigen und verbalen Anfängen solcher Einstellungen zu wehren ist. Ein klares Nein zu allen Unterscheidungen zwischen „Uns“ und den „Anderen“, was zu Diskriminierung und Ausgrenzung führt. In diesem Zusammenhang wurde auch das Lied von den Wise Guys „Damit Ihr Hoffnung habt“ gespielt und der Psalm 119 gesprochen, in dem die Hoffnung auf Trost und Rettung zum Ausdruck kommt.

Die Hoffnung, die Zukunft und die Gemeinschaft waren auch Themen der Lieder „wir strecken uns nach dir“, „wohl denn, die noch träumen“,  „gut, dass wir einander haben“ und „von guten Mächten“, die wir als Gemeinde miteinander sangen. In dem trotz der Einschränkungen unseres aktuellen Hygienekonzeptes gut gefüllten Kirchenschiff ein akustischer Leckerbissen und eine Erinnerung an die Zeiten voller Kirchen, die hoffentlich auch bald wieder kommen werden.

Die vollständig versammelten Mitglieder unseres Kirchenvorstandes sprachen die Fürbitten (auch) zum Thema Abschied und Wandel. Entscheidend bleibt immer, auf das Wort Gottes als sicheres Fundament und Richtschnur zu vertrauen. Dann finden wir Orientierung in unserem Leben, auch in unsicheren Zeiten. Manchmal sogar stürmischen Zeiten, was an diesem Sonntag so wörtlich zu nehmen war, dass auch der Empfang innerhalb unserer Kirche stattfand.

Viele Gottesdienste haben wir mit Pfr. Wiegand zusammen gefeiert, Trauungen, Taufen, Konfirmationen, Beerdigungen. Viele seelsorgerliche Besuche, Begegnungen bei Festen und Feiern und Gemeindeveranstaltungen, bis dies etwa nach der Hälfte der Amtszeit leider durch die Pandemie stark eingeschränkt werden musste. Die Arbeit eines Pfarrers findet oft auch im Hintergrund statt, worauf Dekan Allmann ganz zutreffend hinwies. Es gibt wohl keine Straße in Eschollbrücken-Eich, in der Pfr. Wiegand keine Besuche gemacht hat; keine Veranstaltung, in der er unsere Gemeinde nicht zuverlässig und verantwortungsvoll vertreten hat. Und in diesen ungewöhnlichen Zeiten fielen auch in der Trägerschaft unserer KiTa wichtige Entscheidungen an, bei denen schnell und kompetent gehandelt werden musste. Besonders hervorzuheben ist auch, wie Pfr. Wiegand durch Tonaufnahmen von Gottesdiensten, das Predigtarchiv auf unserer Homepage und die von unserer Küsterin Karin Schuster dankenswerterweise verteilten schriftlichen Fassungen der Gottesdienste Kirche auch in der Pandemie öffentlich zugänglich gemacht hat. Nebst der Erstellung ständig neuer Hygienekonzepte. Das ist alles gar nicht selbstverständlich und wir wissen das zu schätzen.

Aufgaben im Pfarrberuf sind außerordentlich vielfältig und betreffen bei weitem nicht nur seelsorgerliche Kernaufgaben. Von der Öffentlichkeitsarbeit unserer Gemeinde bis zur Organisation von Gebäudeinstandhaltung und den Aufgaben als Dienstvorgesetzter der hauptamtlichen Mitarbeitenden bis zu unserer Repräsentation in einer langen Reihe von Gremien: Pfr. Wiegand hat dies alles sorgsam und verantwortlich bewältigt und uns gut vertreten.

Das große Projekt der Bauarbeiten für den Barrierefreien Zugang und das Barrierefreie WC hätten wir als rein ehrenamtlichen Kirchenvorstand so gar nicht bearbeiten können. Von der IT-Modernisierung im Gemeindebüro bis zur Planung der Kirchenvorstandswahl letztes Jahr: es fallen überall viele Termine und Koordinationsaufwand an. Und deshalb danken wir Pfr. Simon Wiegand ganz herzlich für seinen Dienst in unserer Gemeinde und wünschen ihm an seiner neuen Wirkungsstätte Gottes reichen Segen.

Und für unsere Gemeinde wünschen wir uns als Kirchenvorstand -durch den Zuspruch dieses Abschiedsgottesdienst gestärkt- eine hoffnungsfrohe Fortsetzung unserer Gemeindearbeit für unsere Mitglieder – im Geiste Jesu Christi und der Bibelworte, die ein Licht auf unserem Wege sind. Denn wie wir in diesem Gottesdienst zusammen sangen: Gott hat das erste und das letzte Wort. Auf die frohe Botschaft seiner Liebe dürfen wir vertrauen. Sein Wort wird uns durch die Zeiten tragen.

Impressionen (Fotos Wolfgang Jahn)