Seelsorge / Kasualien

Die Kasualien

Mit Kasualien bezeichnet man in der Kirche Gottesdienste zu besonderen Anlässen, also abseits des „normalen“ Gottesdienstgeschehens in der Kirche am Sonntagmorgen. Klassische Kasualien sind Taufe, Konfirmation, Trauung und Bestattung. Auch Gottesdienste zu Jubiläen wie Goldene Konfirmation, Goldene Trauung etc. können als Kasualie gezählt werden.

Die Taufe

Die Taufe ist eine besondere Kasualie, denn unter den verschiedenen anlassbezogenen Gottesdiensten ist sie das einzige Sakrament. Ein Sakrament ist nach evangelischem Verständnis eine Handlung, die mit einem sichtbaren Zeichen, im Fall der Taufe das Übergießen mit Wasser, verbunden ist und gleichzeitig durch Christus im Neuen Testament mit einem Verheißungswort, dem sogenannten „Taufbefehl“ aus Mt 28, eingesetzt wurde. Das einzige andere Sakrament das die evangelische Kirche als solches kennt, ist das Abendmahl.

Damit eine Taufe von der evangelischen Kirche anerkannt wird, muss der Täufling mit Wasser übergossen werden (üblicherweise dreimal) und dazu die Taufformel „im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ gesprochen werden. Ist eine Taufe so passiert, ist es egal in welcher Kirche die Handlung durchgeführt wurde. Für die evangelische Kirche ist der/die Getaufte dann ein Mitglied der Kirche Jesu Christi. Aus diesem Grund ist es auch nicht nötig und inzwischen auch nicht mehr erlaubt Gläubige, die zum Beispiel aus der römisch-katholischen Kirche in die evangelische Kirche eintreten, nochmal zu taufen.

Nach evangelischem Verständnis ist die Taufe eine einmalige Handlung, die lebenslange Gültigkeit hat.

Die Taufe verdeutlicht das „Ja“ Gottes zu dem/der Getauften. Gleichzeitig bekennt der/die Getaufte vor der Taufe seinen/ihren Glauben. Da sich in der Kirchengeschichte der Brauch durchgesetzt hat und immer noch weit verbreitet ist, kleine Kinder/Säuglinge zu taufen, die noch nicht ihren Glauben bekennen können, garantieren Eltern und Paten eine christliche Erziehung. Diese soll es dem/der Getauften ermöglichen, sich später zu dem Glauben zu bekennen. Das Patenamt ist deshalb ein kirchliches Amt, das nur von getauften Mitgliedern einer christlichen Kirche ausgeübt werden kann. In der Konfirmation holt der/die Getaufte dann das Bekenntnis des eigenen Glaubens nach. Mit der Konfirmation erlischt auch für die Paten formal ihr Amt. Da Erwachsene, ab dem Alter der Religionsmündigkeit von 14 Jahren, ihren Glauben selbst bekennen können, benötigen diese zur Taufe keinen Paten.

Die Taufe geschieht grundsätzlich in einem öffentlichen Gottesdienst. Da mit der Taufe die Aufnahme in die Gemeinschaft der Getauften verbunden ist, ist es sinnvoll Taufen im „normalen“ Sonntagsgottesdienst mit versammelter Gemeinde durchzuführen. In Ausnahmefällen ist es aber auch möglich, Taufen in einem extra Gottesdienst zu feiern. In Notsituation, wie Lebensgefahr, kann jeder getaufte Christ eine „Nottaufe“ durchführen. Hierbei sollte Wasser verwendet werden und die Taufformel „Ich taufe dich im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ gesprochen werden. Nach einer Nottaufe, sollte diese so bald wie möglich im Pfarramt mitgeteilt werden, damit diese ordnungsgemäß in den Kirchenbüchern vermerkt werden kann.

Die Bibel erzählt uns in allen vier Evangelien von der Taufe Jesu. Ob Jesus selbst Menschen getauft hat, ist allerdings historisch nicht gesichert. Der Evangelist Matthäus berichtet allerdings in seinem Evangelium, dass der Auferstandene Jesus seiner Jünger aufforderte „alle Welt zu taufen“ (Mt 28,19).

Für viele Familien ist die Taufe eines Kindes oft auch Anlass für ein kleines (oder größeres) Familienfest. Oft wird die eigentliche Taufe auch durch weitere Bräuche, wie zum Beispiel das Entzünden einer Taufkerze zur Erinnerung an die Taufe ergänzt.

Wenn Sie Interesse haben, sich selbst oder ihr Kind taufen zu lassen oder konkrete weitere Fragen zum Thema Taufe haben, können Sie gerne mit Pfarrer Wiegand Kontakt aufnehmen.

 

Die Konfirmation

Etwa im siebten Schuljahr werden die Kinder von uns zur Teilnahme am Konfirmationsunterricht eingeladen.

Zur Vorbereitung auf die Konfirmation nehmen die Konfirmandinnen und Konfirmanden rund ein Jahr lang an einem Konfirmandenunterricht teil. Im Mittelpunkt steht dort nicht, möglichst viel Wissen über den christlichen Glauben zu erlernen, was natürlich auch Sinn des Unterrichtes ist. Sondern maßgeblich geht es um die Jugendlichen selbst, mit ihren Fragen zum Sinn des Lebens, zu ihrer Rolle in der Gesellschaft, zu ihrer Zukunftsplanung und zu allen Facetten des Glaubens. Im Team lernen die Konfirmant(inn)en den christlichen Glauben und die Gemeinschaft in einer Kirchengemeinde kennen. Besonders auf Konfirmandenfreizeiten oder beim Besuch diakonischer Einrichtungen erleben sie in der Konfi-Gruppe Gemeinschaft, Freude, Sinngebung und Spiritualität. Der/die Pfarrer/in, die Kirchenvorsteher/innen und andere Menschen in der Gemeinde ermöglichen Begegnungen und Austausch auf Augenhöhe. Während des festlichen Konfirmationsgottesdienstes bestätigen die Jugendlichen als mündige Christen das Versprechen, das ihre Eltern und Paten bei ihrer Taufe gegeben haben. Oder sie lassen sich zuvor selbst taufen und bekennen sich dabei zu Jesus Christus. Durch die Konfirmation wird bekräftigt, dass die Jugendlichen von Gott in ihrem unverwechselbaren Wert angenommen werden, so wie sie sind und nicht alleine von der Alltagswelt vereinnahmt werden können.

Nach der Konfirmation können die Mitglieder unserer Kirche Taufpaten/innen werden. Sie können kirchlich heiraten und haben das Recht auf eine lebenslange seelsorgerliche Begleitung. Sie können dem Kirchenvorstand angehören oder sonst Verantwortung in unserer Gemeinde übernehmen.

 

Trauung

Wenn Sie sich entscheiden zu heiraten, dann ist das für Sie vermutlich der schönste Tag in Ihrem Leben. Ihre Liebe wird sichtbar bestätigt und auf Dauer ausgelegt. Sie setzen ein Zeichen gegenseitigen Vertrauens. Mit der kirchlichen Trauung oder einer kirchlichen Segnung wird sichtbar gemacht, dass Gott Ihre Beziehung bejaht, trägt und stärkt.

Nach evangelischem Verständnis bleibt die zivilrechtliche Eheschließung auf dem Standesamt Voraussetzung für eine kirchliche Trauung. Also: erst zum Standesamt. In die Planung des Gottesdienstes fließen auch die Tradition der Gemeinde und die Erfahrung Ihrer Pfarrerin oder Ihres Pfarrers mit ein. Gemeinsam legen Sie im Traugespräch die Grundlage dafür, Ihre kirchliche Hochzeit oder Segensfeier zu einem festlichen und unvergesslichen Ereignis zu machen. Zu einer kirchlichen Trauung gehört ein Trauspruch, den sich das Paar in der Regel selbst aussucht. Dieser Spruch wird auf Ihrer Urkunde vermerkt, er ist dann Ihr persönlicher Bibelvers für die Ehe.

Im Trau- und Segnungsgottesdienst empfangen Sie Gottes Segen für Ihren gemeinsamen Lebensweg. Ein solcher Gottesdienst ist auch ein öffentliches Versprechen, als Paar und Familie miteinander zu leben.

Im Jahr 2013 wurde die Lebensordnung der EKHN überarbeitet. Sie sieht nun vor, dass die Gottesdienste zur Segnung von gleichgeschlechtlichen Paaren mit den traditionellen Trauungen weitgehend gleichgestellt werden. Sie können nun auch in den Kirchenbüchern eingetragen und beurkundet werden

Soll die Trauung oder Segnung in einer anderen Kirche als am Wohnort (mit dem eigenen oder dem dortigen Pfarrer) stattfinden, so ist dies in Absprache mit den beiden beteiligten Pfarrer(inne)n möglich.

 

Bestattung  

Mit Kasualien bezeichnet man in der Kirche Gottesdienste zu besonderen Anlässen, also abseits des „normalen“ Gottesdienstgeschehens in der Kirche am Sonntagmorgen. Klassische Kasualien sind Taufe, Konfirmation, Trauung und Bestattung. Auch Gottesdienste zu Jubiläen wie Goldene Konfirmation, Goldene Trauung etc. können als Kasualie gezählt werden.

Der Tod gehört zum Leben dazu. Trotzdem fühlen sich viele Menschen unsicher im Umgang mit dem Tod. Dies betrifft sowohl die eigene Sterblichkeit als auch die von Angehörigen, Freunden und Bekannten. Die Bestattung von Verstorbenen und die Begleitung von Trauernden gehören zu den ältesten Aufgaben der christlichen Kirche. Dies hängt vor allem damit zusammen, dass die Botschaft von der Überwindung des Todes in der Auferstehung Jesu zum Zentrum christlichen Glaubens gehört. Die Kirche ist davon überzeugt, dass der Tod nicht das letzte Wort hat, sondern alles Leben und Sterben unter der Hoffnung auf die Auferstehung geschieht. Wie die Auferstehung letztlich zu denken ist, dazu finden wir allerdings sowohl in der Kirchengeschichte als auch im biblischen Zeugnis unterschiedliche Auffassungen. Allen Vorstellungen gemeinsam ist aber das Vertrauen darauf, dass der Verstorbene eine Zukunft bei Gott haben wird.

Wenn ein Mensch stirbt, bietet die Kirche eine Begleitung der Angehörigen an. Wenn es von den Angehörigen gewünscht wird, kann im Sterbehaus durch den/die Pfarrer*in eine Aussegnung durchgeführt werden. Für diesen Zweck können Verstorbene bis zu 36 Stunden, nachdem sie gestorben sind, im Sterbehaus bleiben. Falls dies gewünscht ist, ist es wichtig, möglichst schnell mit der Kirchengemeinde Kontakt aufzunehmen und auch dem Bestattungsunternehmen diesen Wunsch möglichst beim ersten Kontakt mitzuteilen.

Auch wenn keine Aussegnung gewünscht ist, ist eine möglichst baldige Kontaktaufnahme mit dem/der Pfarrer*in sinnvoll. Dieser wird dann mit Ihnen einen Termin für ein Trauergespräch vereinbaren. In diesem Gespräch wird es dann sowohl um die praktischen Absprachen für die Trauerfeier, als auch um das Leben und die Todesumstände des Verstorbenen und auch die Situation der Angehörigen gehen. Pfarrer*innen werden immer versuchen, bei der Gestaltung der Trauerfeier auf Wünsche und Bedürfnisse der Verstorbenen und der Angehörigen einzugehen, müssen aber auch in die Absprachen zwischen den Angehörigen und dem Bestattungsinstitut einbezogen werden. Im Normalfall wird dann relativ zeitnah die Trauerfeier und Beisetzung auf dem Friedhof stattfinden. Beides kann entweder mit Sarg oder Urne geschehen. Die Beisetzung kann an einem Ort, der gesetzlich dafür vorgesehen ist, also auf einem Friedhof oder in einem Friedwald geschehen. Üblicherweise findet auch an diesem Ort der Gottesdienst zur Trauerfeier statt. Es ist aber auch in begründeten Fällen möglich, den Gottesdienst in der Kirche abzuhalten. Die Trauerfeier besteht üblicherweise aus zwei Teilen: Dem ersten Teil in der Kirche/Kapelle, in dem in einer Ansprache das Leben des Verstorbenen gewürdigt, die Trauer der Gemeinde in Worte gefasst und die Hoffnung auf die Auferstehung ausgedrückt wird. Der zweite Teil findet dann am Grab (oder der Urnenwand) statt, wo der/die Verstorbene dann zur letzten Ruhe gebettet wird. Dass dieser Ort, genauso wie der Gottesdienstort, öffentlich zugänglich ist, ist gesetzlich vorgeschrieben und sinnvoll, da nur so alle Trauernden die Möglichkeit haben das Grab zu besuchen. Auch Menschen, die keiner christlichen Kirche angehört haben, können in begründeten Fällen kirchlich bestattet werden. Um Angehörige nicht zu überfordern und die Unsicherheit im Umgang mit dem Tod zu nehmen, ist es sinnvoll, mit Menschen, die einem wichtig sind, über die eigene Sterblichkeit und die eigenen Vorstellungen von der Auferstehung zu sprechen. Pfarrer*innen sowie Bestatter*innen sind dazu bereit, bei solchen Gesprächen oder Überlegungen beratend zur Seite zu stehen.