Dekanat

„Nähe zu Gott und den Menschen“

   

Nach fast zwanzig Jahren als Dekan des früheren Evangelischen Dekanats Darmstadt-Land scheidet Pfarrer Arno Allmann aus seinem Amt aus. Er wurde im Rahmen eines festlichen Gottesdienstes in Ober-Ramstadt von Propst Stephan Arras verabschiedet und entpflichtet.

 OBER-RAMSTADT. „Innehalten. Und dann etwas sagen oder tun, was auf gute Weise weiterführt“, so charakterisierte Propst Stephan Arras in seiner Anrede die besonnene Amtsführung von Arno Allmann als Dekan während der vergangenen 20 Jahre. Bei der Verabschiedung und Entpflichtung am Palmsonntag in Ober-Ramstadt benannte der Starkenburger Propst was dem scheidenden Dekan stets wichtig war und ist: die Nähe zu Gott und den Menschen. Er zitiert Allmann mit dem Satz „Ich hab’s halt gerne mit de Leut“.Für den schließt sich ein Kreis: Am 30. April endet seine Dienstzeit als Dekan. Ab Mai bis zum Ende des Jahres wird der 65-jährige Pfarrer vertretungsweise zuständig sein für einige Bergsträßer Gemeinden wie Beedenkirchen, Schönberg, Wilmshausen, Gronau und Zell. Arno Allmann war 16 Jahre Gemeindepfarrer in Erzhausen bis er ab August 2002 als hauptamtlicher Dekan das Evangelische Dekanat Darmstadt-Land leitete, das sich mit 18 Kirchengemeinden von Erzhausen bis Pfungstadt und Gundernhausen bis Ernsthofen erstreckte und in dem zuletzt rund 41.000 Mitglieder lebten. Er wurde jeweils mit sehr großer Mehrheit von der Dekanatssynode, dem regionalen Kirchenparlament, wiedergewählt. Im August 2020 begann seine vierte Amtszeit, die mit der Fusion der Nachbardekanate Darmstadt-Land und Darmstadt-Stadt zum 1. Januar 2022 endete. Geschäftsführend haben er und Dekanin Ulrike Schmidt-Hesse die Leitung des ‚Evangelischen Dekanats Darmstadt – Gemeinsam Kirche in Stadt und Land‘ bis zum 30. April inne. Ab Mai werden die neu Gewählten – Dekan Dr. Raimund Wirth und Stellvertretender Dekan Sven Sabary – die Leitung des Dekanats Darmstadt übernehmen.

Für eine Kirche, die Menschen mit ihren Sorgen im Blick behält

„Nahe bei den Menschen, warmherzig, besonnen und klug, und immer auch humorvoll und gerne feiernd, das war und ist dein Stil“ – wie treffend Stephan Arras seinen langjährigen Kollegen Arno Allmann charakterisiert, zeigte sich nach dem Gottesdienst beim Empfang in der Stadthalle Ober-Ramstadt vor rund 100 Gästen. Dies kam zum Ausdruck in den Grußworten für die Dekaninnen und Dekane, für das katholische Dekanat, für die Stadt Ober-Ramstadt, für die Nieder-Ramstädter Diakonie und für das regionale Diakonische Werk Darmstadt-Dieburg. Der frühere stellvertretende Dekan Christoph Mohr würdigte unter dem Motto „Warum es eine gute Zeit war!“ das vertrauensvolle und gestaltende Wirken von Allmann in seiner Amtszeit. Dank kam auch von den Mitarbeitenden: Clemens Bittlinger, Referent für Mission und Ökumene im Dekanat blickte mit Lied und Poetryslam auf die kreative und produktive Zusammenarbeit zurück. Für eine festliche musikalische Gestaltung des Gottesdienstes und des anschließenden Empfangs sorgten Dekanatskantorin Gerlinde Fricke und der Posaunenchor Ober-Ramstadt. Dekanatsjugendreferent Jürgen Zachmann und Mitglieder des inklusiven Theaterensembles Chamäleon drückten mit dem Lied „An Tagen wie diesen“ ihre langjährige Verbundenheit mit ihm aus und holten ihn zum gemeinsamen Schlussrefrain noch auf die Bühne. Inklusion und Integration sowie diakonische Arbeit, sind Arno Allmann sehr wichtige Anliegen. Er ist langjähriges Mitglied in zahlreichen Gremien und wird in einigen auch weiterhin ehrenamtlich tätig sein – unter anderem als Vorsitzender des Stiftungsrates der Nieder-Ramstädter Diakonie (NRD) und im Hospiz- und Palliativverein Darmstadt. Das macht deutlich, was ihm am Herzen liegt: die Unterstützung der Kirche für Menschen, die Hilfe benötigen, eine Kirche, die Menschen mit ihren Sorgen im Blick behält. Deshalb hat er auch die Gäste gebeten, statt Geschenken für den Familienunterstützenden Dienst der NRD zu spenden, der sich aktuell auch um Geflüchtete aus der Ukraine kümmert.

Veränderungsprozesse verantwortlich mitgestalten

Die Arbeit von Arno Allmann in den letzten 20 Jahren wurde sehr hoch geschätzt – von den Mitarbeitenden im Dekanatszentrum, den Pfarrerinnen und Pfarrern wie auch den Vorstandsmitgliedern der Kirchengemeinden im Dekanat. Er gilt als seelsorgerischer und fürsorglicher Dekan, der die Fähigkeit besitzt, Konflikte zu lösen und einen präsenten und zuverlässigen Führungsstil pflegt. Arno Allmann sah es stets als seine Aufgabe an, „die Veränderungsprozess in Gesellschaft und Kirche verantwortlich und vorausschauen mit zu gestalten.“ Den sechsjährigen Fusionsprozess mit dem Nachbardekanat hat er als große Herausforderung erlebt. Galt es doch zukunftsorientierte und tragfähige Konzeptionen für alle Arbeitsbereiche zu erstellen – von der Gemeindepädagogik über die Kirchenmusik, Bildung und Gesellschaftliche Verantwortung bis zu Ökumene und Interreligiösen Dialog. Man habe bei der Zukunftswerkstatt in Pfungstadt am Anfang des Prozesses bewusst viele Menschen und gesellschaftliche Gruppen eingebunden, um zu klären „was ist uns wichtig, was wird benötigt?“, so der scheidende Dekan und ergänzt: „Es war eine Aufbruchstimmung dort spürbar, wir haben wichtige Impulse und Ideen mitgenommen.“

Arno Allmann war bewusst, dass ehrenamtlich Engagierten in der Kirche zukünftig eine noch wichtigere Rolle zukommen werde. „Sie brauchen dafür fachliche Förderung – vor allem im Hinblick auf die Übernahme von Leitungsaufgaben – und auch Freiräume zur Gestaltung,“ betonte Allmann und sorgte für die entsprechenden Rahmenbedingungen. Zentrale Aufgabe für ihn als Theologe sei es, Menschen anzuleiten und zu ermutigen, aus dem Glauben heraus ihr Leben zu gestalten, den Glauben im Alltag zu bewahren und sich der Nöte dieser Welt anzunehmen. Dies sah er als Auftrag an die Evangelische Kirche in der Region, die über die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, kulturell-theologischen Veranstaltungen oder Angeboten in den Bereichen Musik, Erwachsenenbildung, Trauerseelsorge und weiteren Arbeitsfeldern für die Menschen erlebbar werde. Besondere Anliegen waren und sind für Allmann ökumenische Projekte wie ‚Kirche findet Stadt‘, die Lösungsansätze für die diakonischen und sozialpolitischen Aufgaben in der Gemeinwesenarbeit aufzeigen. Auch für die Allianz für den freien Sonntag, getragen von Kirchen, Gewerkschaften und Sportverbänden, hat er sich aktiv eingesetzt.

Hintergrund

Arno Allmann, aufgewachsen im Odenwald, hat in Tübingen evangelische Theologie studiert, war in Darmstadt Vikar in der Friedensgemeinde und absolvierte ein Spezialpraktikum im Fortbildungsbereich des Darmstädter Elisabethenstiftes. Zu seinen Aufgaben als Dekan gehörte insbesondere die Personalverantwortung für rund 30 Pfarrerinnen und Pfarrer, ihre Konferenzen und Fortbildungen. Der Theologe führte die laufenden Geschäfte der Dekanatsverwaltung in Ober-Ramstadt und koordinierte die Arbeit der Mitarbeitenden des Dekanats. Als Dekan war er Bindeglied zwischen den Kirchengemeinden und der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau. Arno Allmann und sein Mann wohnen in Nieder-Ramstadt.

 


 

 

Darmstadt/Ober-Ramstadt, 30. Januar 2022

Dr. Raimund Wirth ist neu gewählter Dekan
Die Synode des neuen Evangelischen Dekanats Darmstadt hat die Leitung neu gewählt

Mit sehr großer Mehrheit ist Dr. Raimund Wirth zum neuen Dekan des Evangelischen Dekanats Darmstadt gewählt worden. Der Sechsundvierzigjährige ist seit 2012 Pfarrer der Paulusgemeinde in Darmstadt und seit sechs Jahren stellvertretender Dekan. Am 1. Mai beginnt seine sechsjährige Amtszeit. In seiner Vorstellung sprach er von den Herausforderungen dieser Zeit und machte Mut: „Wir stehen im Namen Gottes für Hoffnung und gegen Resignation. Wir stehen um Jesu willen für den Zusammenhalt und gegen spalterische Tendenzen. Wir stehen, von Gottes Geist geleitet, für das kluge Abwägen von Argumenten und gegen populistische Vereinfachung.“

Zum 1. Januar 2022 sind die ehemaligen Dekanate Darmstadt-Stadt und Darmstadt-Land fusioniert. Das neue Dekanat umfasst jetzt 38 Kirchengemeinden mit insgesamt rund 82.000 Mitgliedern und reicht von Erzhausen über Darmstadt bis Pfungstadt, von Roßdorf bis Ernsthofen. Zudem gehören eine Reihe von besonderen Arbeitsbereichen etwa in Seelsorge, Jugend- und Bildungsarbeit dazu. Bis Ende April sind Dekanin Ulrike Schmidt-Hesse und Dekan Arno Allmann noch im Amt. Propst Stephan Arras hatte die digitale Synodaltagung, die live übertragen wurde, mit einem Gottesdienst eröffnet und die 93 teilnehmenden Synodalen verpflichtet. In seiner Predigt sagte er, dass bei allen notwendigen Strukturfragen „Anteil haben an der Liebe Gottes, an der Gnade Gottes“ immer leitend sein möge.

Die Tagung leitete Carin Strobel, die wie ihre Amtskollegin Ulrike Hoppe aus dem Amt der Vorsitzenden der Dekanatssynode und des Synodalvorstands ausscheidet. Beide richteten bewegende Worte zum Abschied an die Synode. Dekan Arno Allmann und Dekanin Ulrike Schmidt-Hesse würdigten sie und weitere ausscheidende Mitglieder der beiden Synodalvorstände.

Mit Pfarrer Dr. Raimund Wirth wird auch Pfarrer Sven Sabary am 1. Mai 2022 seinen Dienst im Dekanat Darmstadt antreten. Der Theologe ist ebenfalls mit sehr großer Mehrheit zum hauptamtlichen stellvertretenden Dekan gewählt worden. Der Fünfzigjährige ist Pfarrer in Heusenstamm und im Dekanat Dreieich-Rodgau Mitglied des Dekanatssynodalvorstands (DSV). Sabary sagte in seiner Vorstellungrede, das neue Dekanat solle „Menschen mit Glaubens- und Lebensfragen vielfältige Angebote machen, die Halt und Orientierung geben sowie Begegnungsräume für alle bieten“. Zur ehrenamtlichen Vorsitzenden der Synode und deren Vorstand wurde Dr. Annette Laakmann aus Darmstadt gewählt. Die siebenundfünfzigjährige Leiterin des Studienseminars für Gymnasien in Darmstadt ist seit 2015 Mitglied im Kirchenvorstand der Stadtkirchengemeinde und seit 2016 im DSV. Sie möchte sich dafür einsetzen, „ein gut aufgestelltes und modernes Dekanat Darmstadt zu sein, das gemeinsam Kirche in Stadt und Land prägt und gestaltet“, auch wenn der Prozess ‚ekhn2030‘ die Kirche vor viele Aufgaben stelle. Zu ihrem Stellvertreter wurde Thomas Aulich gewählt. Der dreiundfünfzigjährige Unternehmer ist Mitglied der Melanchthongemeinde Griesheim und gehörte bereits dem DSV an.

Als Mitglieder des neuen Synodalvorstands wurden außerdem gewählt: die Gemeindeglieder Dr. Livia Burkhardt (Thomasgemeinde Darmstadt), Dr. Johannes Diehl (Waldensergemeinde Rohrbach-Wembach-Hahn), Dr. Mônica Holtz (Paulusgemeinde Darmstadt), Dr. Angelika Oppermann (Kirchengemeinde Eschollbrücken) und Petra Riedel (Kirchengemeinde Nieder-Ramstadt) sowie die Pfarrpersonen Sigrid Hornung (Gefängnisseelsorge Eberstadt), Christoph Mohr (Kirchengemeinde Nieder-Ramstadt), Dr. Hans Jürgen Steubing (Klinikseelsorge Darmstadt) und Dagmar Unkelbach (Stadtjugendpfarramt Darmstadt). Dekan und stellvertretender Dekan sind Mitglieder qua Amt.

Dr. Raimund Wirth

 

Sven Sabary

Dr. Annette Laakmann

 

Thomas Aulich

 

 


Wie wollen wir Kirche sein?

Die Zukunft der Evangelischen Kirche und die Veränderungen im Prozess ekhn2030 standen im Fokus der letzten Tagung der Synode des Evangelischen Dekanats Darmstadt-Land  in Ober-Ramstadt vor der Fusion mit dem Nachbardekanat Darmstadt-Stadt am 1. Januar 2022. Ein Rückblick auf Entscheidungen und Entwicklungen in der sechsjährigen Amtsperiode zeigte das engagierte Wirken der Synode auf.

 Ober-Ramstadt. Von Abschied und Dankbarkeit aber auch Zukunftsperspektiven geprägt war die Tagung der Synode des Evangelischen Dekanats Darmstadt-Land im Prälat-Diehl-Haus in Ober-Ramstadt. Zum letzten Mal trafen sich die Delegierten aus den 18 Kirchengemeinden zwischen Erzhausen und Pfungstadt, Roßdorf und Ernsthofen, deren Amtszeit nach sechs Jahren endet. In ihrer Rückschau benannte Ulrike Hoppe, die Vorsitzende der Dekanatssynode, „Themen und Aufgaben, die uns oft von höherer Stelle aufgegeben wurden, uns gefordert und bewegt haben, zu Diskussion, Aktion und Reaktion“. Sie nannte beispielhaft die Fusion mit dem Nachbardekanat Darmstadt-Stadt, die Pfarrstellenbemessung, die Einführung der Doppik sowie der Ausblick auf die Umwälzungen durch den Prozess ekhn2030. Als beglückend bezeichnete die Vorsitzende die „inspirierenden Andachten und Impulse, die persönlichen Begegnungen und der Austausch, die Ehrungen und Anerkennungen vieler Personen und Projekte, die die Vielfalt und Kreativität dieses Dekanats wiederspiegeln. – und nicht zuletzt die Kontinuität des Engagements.“  Geschätzt habe sie auch die engagierten, zum Teil kontroversen und emotionalen Debatten, die Statements und Erfahrungsberichte aus den einzelnen Gemeinden als „Salz in der Suppe und den Kern der parlamentarischen Arbeit.“  Auch Dekan Arno Allmann dankte den Synodenmitgliedern „für das große Engagement, für Unterstützung und Begleitung, insbesondere im sehr fordernden Fusionsprozess“. Der Dienst von Arno Allmann als Dekan endet nach 19 Jahren mit der Fusion der zwei Dekanate. Ende Januar 2022 wird die Dekanatssynode sich konstituieren und einen neuen Dekan und einen neuen stellvertretenden Dekan. Bis diese beiden Personen im Mai ihren Dienst antreten, werden Arno Allmann und Ulrike Schmidt-Hesse, Dekanin im Evangelischen Dekanat Darmstadt-Stadt, die Amtsgeschäfte kommissarisch führen. Am 10. April 2022 wird Arno Allmann in Ober-Ramstadt durch den Starkenburger Propst Stephan Arras aus seinem Dienst als Dekan verabschiedet. Stehend und mit langanhaltendem Beifall würdigten die Synodalen ihre Vorsitzende Ulrike Hoppe und ihren Dekan Arno Allmann für deren unermüdlichen Einsatz, um gute Perspektiven für die Zukunft der Evangelische Kirche in der Region zu ermöglichen.

Impulse zur Zukunft der Evangelischen Kirche gab Dr. Steffen Bauer, Leiter der Ehrenamtsakademie der EKHN. „Wie werden wir Kirche sein?“, fragte der Theologe und zeigte drei große Linien auf: Kirche wird anders sein aufgrund der demografischen und gesellschaftlichen Entwicklung. 1990 im wiedervereinigten Deutschland waren mehr als 82 Prozent der Bevölkerung noch Mitglied in der Evangelischen oder Katholischen Kirche, dreißig Jahre später waren es nur noch 51 Prozent. Der Anteil der Konfessionslosen werde steigen, dieser Trend lasse sich nicht verändern. Die Evangelische Kirche – auch in Hessen und Nassau –  wird sich von Gebäuden, insbesondere Gemeindehäusern trennen müssen, die finanzielle Ressourcen binden. Auch die Pfarrpersonen der Generation der Baby Boomer werden in den nächsten Jahren in den Ruhestand gehen und es gibt viel zu wenige ausgebildete Theologinnen und Theologen, um die Stellen zu besetzen.

Doch Steffen Bauer blickt optimistisch in die Zukunft. Es sei eine Haltungsfrage, wie wir Kirche sein wollen. Er will, dass Kirche vor Ort im Gemeinwesen präsent ist und die Mitarbeitenden gabenorientiert in Teams zusammenarbeiten. Mit gemeindeübergreifender und nachbarschaftlicher Zusammenarbeit könne Kirche vor Ort gestaltend und verantwortlich wirken. Dazu brauche es aber eine Entlastung von Verwaltungsaufgaben für Ehren- und Hauptamtliche. Wichtig für Kirche ist so Bauer, „die Menschen zu fragen, ihnen zuzuhören, wenn sie über ihre Erfahrungen mit Leben, Glauben, Gott erzählen“. Das könne in Präsenz vor Ort aber auch via Social Media geschehen. Dazu brauche es Haltungen wie Wertschätzung, Risikofreudigkeit, Reflexionsfähigkeit, eigene Leidenschaft und natürlich Gottvertrauen. In der anschließenden, sehr regen Diskussion ermutigte Bauer die Synodalen, sich aktiv einzumischen in Prozesse wie ekhn2030.

Berichte und erste Lesungen aus dem Prozess ekhn2020 dominierten auch die Kirchensynode der EKHN am 11. September, erläuterte Ulrike Hoppe, die online teilgenommen hatte. So ging es unter anderem um die Einführung von Nachbarschaftsräumen, Vorbereitungen zur Pfarrstellenbemessung 2025 bis 2029, den Abbau von Genehmigungsvorbehalten sowie einen qualitätsvollen Konzentrationsprozess bei kirchlichen Gebäuden. „In diesen Prozessen ist viel Bewegung, es ist zuweilen auch Dampf auf dem Kessel, da diese Vorhaben unsere kirchliche Landschaft gehörig umwälzen werden und jede einzelne Gemeinde betreffen“, so das Fazit der Vorsitzenden der Dekanatssynode.

Die Tagung begann mit einer Andacht von Dekan Arno Allmann, in der er die „Sehnsucht“ der Menschen nach Erneuerung, nach Frieden und Gerechtigkeit thematisierte. „Sehnsucht hat auch mit Suche, mit Unruhe zu tun, was Gott für die Welt, für die Menschen sein kann. Und sie ist Triebfeder für Engagement in Kirche und für diakonisches Handeln.“

 

    

 


Ein neuer Name ist entschieden

Synoden der Evangelischen Dekanate Darmstadt-Land und Darmstadt-Stadt tagen gemeinsam

Von Rebecca Keller und Maline Thierolf-Jöckel

Zum 1. Januar 2022 fusionieren die Evangelischen Dekanate Darmstadt-Land und Darmstadt-Stadt. Die Synoden der beiden Nachbardekanate haben gemeinsam per Video-Konferenz getagt. Themen waren der zukünftige Dekanatsname, energetische Maßnahmen für den zukünftigen Dekanatssitz sowie der Zukunftsprozess „ekhn2030“ der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) und zwei Anträge hierzu an die Kirchensynode. Die Leitung der Tagung mit 85 Synodalen aus 38 Gemeinden und aus kirchlichen Diensten sowie rund 20 Gästen hatte Ulrike Hoppe, Vorsitzende der Dekanatssynode Darmstadt-Land, in Zusammenarbeit mit Carin Strobel, Vorsitzende von Darmstadt-Stadt.

Neuer Name
Der neue Name des künftigen Dekanats ist nun entschieden: „Evangelisches Dekanat Darmstadt“ mit dem Slogan „Gemeinsam Kirche in Stadt und Land“ wird es heißen. Drei weitere Namensvorschläge standen zur Wahl: „Evangelisches Dekanat Darmstadt und Region“, „Evangelisches Dekanat Region Darmstadt“ und „Evangelisches Dekanat Darmstadt Land und Stadt“. Die beiden Dekanatssynoden stimmten separat über die Namensgebung ab: 39 Delegierte aus Darmstadt-Stadt sprachen sich für den Vorschlag „Evangelisches Dekanat Darmstadt“ mit dem Slogan „Gemeinsam Kirche in Stadt und Land“ aus, das entspricht 91 Prozent der Stimmen. In der Dekanatssynode Darmstadt-Land erhielt dieser Namensvorschlag eine knappe Mehrheit von 21 Stimmen, das entspricht 51 Prozent.

Energetische Maßnahmen
Mit großer Mehrheit haben die beiden Dekanatssynoden weiterhin zusätzliche energetische Maßnahmen am künftigen gemeinsamen Dekanatssitz in der Kiesstraße 14 in Darmstadt beschlossen: Eine Photovoltaik-Anlage soll nun auf dem Gebäude angebracht sowie eine Luftwärmepumpe auf Spendenbasis umgesetzt werden. Fenster sollen ausgetauscht und Rollladenkästen mit Dämmmaterial geschlossen werden. Mehrkosten bei der Kanalsanierung stehen Einsparungen an anderer Stelle gegenüber. Die Gesamt-Projektkosten inklusive energetische Maßnahmen erhöhen sich damit um rund 120.000 Euro.

 

„ekhn2030“
Weiterhin beschäftigten sich die Synodalen mit dem Zukunftsprozess der EKHN, kurz „ekhn2030“. Dr. Melanie Beiner, Dezernentin der EKHN für Kirchliche Dienste, und Jens Böhm, Dezernent für Personal, führten in das Thema ein. Die EKHN werde 2030 laut Prognosen 20 Prozent weniger Mitglieder haben und es würde ein Drittel weniger Pfarrstellen besetzt werden können. Bis 2030 stünden 140 Millionen Euro weniger an Haushaltsvolumen pro Jahr zur Verfügung, die es einzusparen gelte. Mitglieder- und Gemeinwesenorientierung seien Leitprinzipien des Prozesses. Nachhaltigkeit und Digitalisierung würden in alle Überlegungen einbezogen. Eine Idee sei die Bildung von Nachbarschaftsräumen mit 3000 bis 6000 oder mehr Mitgliedern, in dem Kirchengemeinden untereinander und mit diakonischen und zivilgesellschaftlichen Akteuren zusammenarbeiten. Ein „Verkündigungsteam“ soll hier aus mindestens drei Stellen – zwei Pfarrpersonen plus Gemeindepädagog*in und/oder Kirchenmusiker*in und gegebenenfalls weiteren Stellen – bestehen.

Anträge an die Kirchensynode
Die beiden Dekanate beschlossen jeweils einen Antrag zum Prozess „ekhn2030“ an die Kirchensynode als gemeinsames Votum: Der Antrag des Dekanats Darmstadt-Land, den der stellvertretende Dekan Christoph Mohr vorstellte, richtet sich gegen eine in einem Prozesspapier genannte mögliche Auflösung der Regionalverwaltungsverbände und deren Überführung in die Trägerschaft der EKHN. Die Rolle der Dekanate war Gegenstand des Antrags des Dekanats Darmstadt-Stadt. Dekanin Ulrike Schmidt-Hesse betonte, dass das Dekanat die Entwicklung der Nachbarschaftsräume unterstütze. Zugleich solle aber auch auf Ebene der Dekanate als „Kirche in der Region“ zusammen mit den wachsenden Steuerungs- und Entscheidungsaufgaben weiterhin inhaltliche Arbeit geleistet werden. Es gelte Ressourcen auf Dekanatsebene zusammenzuführen, um die Fachlichkeit etwa in nachhaltiger Entwicklung, interreligiösem Dialog, Klinik- oder Notfallseelsorge zu sichern.

 

Ulrike Hoppe

Melanie Beiner

Jens Böhm


 

 

Dazu auch Eindrücke einer Synodalen (von Frau Ulrike Bochmann-Lilge), die sie dankenswerterweise eingesandt hat:

Bericht der Frühjahrssynode April 2021

 

 

 


 

Einladender Campus in der Stadt
Synoden der Evangelischen Dekanate Darmstadt-Land und Darmstadt-Stadt beschließen
Gestaltung und Finanzierung ihres gemeinsamen Sitzes

Zum 1. Januar 2022 fusionieren die Evangelischen Dekanate Darmstadt-Land und Darmstadt-Stadt.
Bereits vor anderthalb Jahren hatten die beiden Synoden beschlossen, dass als neuer gemeinsamer Standort das Verwaltungsgebäude des Dekanats Darmstadt-Stadt in der Kiesstraße 14 dienen soll.

Jetzt haben die Synoden, die am Freitag gemeinsam per Video-Konferenz getagt haben, auch der konkreten Gestaltung und Finanzierung des Standorts mit großer Mehrheit zugestimmt. Die Online-Synode begann mit dem Gedenken der Menschen, die genau vor einem Jahr in Hanau aus rechtsextremen Motiven ermordet wurden. Dekanin Ulrike Schmidt-Hesse nannte die Namen der Getöteten und sprach Gebete zum Gedenken und für den Frieden. „Es kommt auf jede, auf jeden von uns an“, so die Dekanin, „nach christlichem Verständnis ist Rassismus Sünde und seine Rechtfertigung Gotteslästerung.“ Sie appellierte, „Rassismus und Rechtsextremismus zu widerstehen und Diskriminierung, Hass und Gewalt entgegenzutreten – jeden Tag.“ Der katholische Dekan Dr. Christoph Klock war eingeladen, eine Andacht vor den fast 100 zugeschalteten Synodalen und weiteren Gästen zu halten, darin widmete er sich der beginnenden Passionszeit. Die Vorsitzende der Dekanatssynode Darmstadt-Land, Ulrike Hoppe, leitete die Tagung. Die gemeinsamen Synoden werden im Wechsel der Vorsitzenden Ulrike Hoppe und Carin Strobel, Vorsitzende der Dekanatssynode Darmstadt-Stadt, geleitet.

Im Mittelpunkt der gemeinsamen Synode stand der gemeinsame Dekanatssitz, für den ein dekanatseigenes Gebäude in der Kiesstraße 14 in Darmstadt saniert werden soll. Dass die Planungen sich durch Corona verzögerten, erläuterte Dekan Arno Allmann vom Dekanat Darmstadt-Land, der die Projektgruppe zum Dekanatssitz gemeinsam mit Dr. Raimund Wirth, stellvertretender Dekan von Darmstadt-Stadt, leitete. Planung und Finanzierung hätten durch Vorgaben der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) noch einmal überarbeitet werden müssen. Tanja Akkermann und Frank Menzel vom beauftragten Architekturbüro Menzel/Kossowski in Darmstadt stellten die Planungen bei der Online-Tagung vor. Das dreistöckige Gebäude, das sich auf einem gemeinsamen Grundstück mit dem evangelischen Jugendhaus *huette befindet, soll im Bestand saniert und teilweise umgebaut werden. Es wird barrierefrei erschlossen durch einen Aufzug, auch neue Elektrik und Brandschutzmaßnahmen sind notwendig. Ein neues Raumprogramm soll den Anforderungen des neuen Dekanats entsprechen. „Das Gebäude ist in die Jahre gekommen“, sagt Frank Menzel, „es hätte ohnehin jetzt saniert werden müssen.“ Der Vorplatz mit Parkplätzen soll zum Campus mit viel Grün und E-Ladestationen für Auto und Fahrrad umgestaltet werden. Der Sitz der evangelischen Kirche in Darmstadt und der Region soll an der Straßenseite deutlich und einladend erkennbar gemacht werden. In den gemeinsamen Standort werden Dekanatsleitung und Verwaltung einziehen. Es wird auch Büros für die Arbeitsbereiche Ökumene, Öffentlichkeitsarbeit, Bildung, gesellschaftliche Verantwortung, Integration, Notfallseelsorge, Kirchenmusik, Kinder- und Jugendarbeit und Altenarbeit sowie für die Geschäftsstelle Kindertagesstätten und die Bauabteilung geben. Auch die Mitarbeitendenvertretung wird hier ihren Standort haben. Noch in diesem Jahr soll Baubeginn sein.

Das regionale Diakonische Werk, das bislang im Haus eingemietet war, zieht mit seinen Beratungsangeboten ins Offene Haus in der Rheinstraße 31. Dieses bleibt im Eigentum des Dekanats, dient auch weiterhin als Ort für Veranstaltungen und Begegnungen und kann weiterhin von Dritten für Tagungen angemietet werden. Auch Ökumenischer Kirchenladen und Café verbleiben im Haus. Der Sitz des Dekanats Darmstadt-Land in Ober-Ramstadt ist im Eigentum der dortigen evangelischen Kirchengemeinde und soll dann anderweitig vermietet werden. Die Kosten für die Herstellung des gemeinsamen Dekanatssitzes betragen insgesamt rund zwei Millionen Euro. Wie Pfarrer Dr. Raimund Wirth erläuterte, stammen davon rund eine Million Euro aus den Rücklagen der Dekanate, 800000 Euro gibt die EKHN als Zuschuss und es wird darüber hinaus ein kirchliches Darlehen aufgenommen. „Diese Finanzierung steht auf absolut stabilen Füßen“, kommentierte Matthias Kessler, Leiter der Regionalverwaltung Starkenburg-Ost, „mit dieser Investition wird ein neuer Vermögenswert geschaffen.“

In acht anschließenden so genannten „Breakout-Rooms“ konnten die Synodalen Fragen zu Umbau und Finanzierung an die Architekten und Mitglieder der Projektgruppe Dekanatssitz stellen, die im Plenum noch weiterdiskutiert wurden, bevor die Synoden mit großer Mehrheit den Beschluss zur Umsetzung der Pläne fassten. Rückfragen hatte es unter anderem zur Anzahl der vorgesehenen Parkplätze und zu Möglichkeiten energetischer Verbesserungen gegeben. Die Projektgruppe berichtete von Überlegungen, die es zur perspektivischen Nutzung von Erdwärme auf dem Gesamtgelände gibt. Die bestehende Photovoltaikanlage, die aus Brandschutzgründen versetzt werden müsse, solle dazu beitragen, den Strom für das gesamte Haus und gegebenenfalls für EFahrzeuge und E-Fahrräder möglichst selbst – also klimaneutral – zu erzeugen.

Zudem haben die Synoden eine Arbeitsgruppe zum Thema Regionen eingesetzt: Denn zukünftig werden innerhalb der Dekanate die Regionen eine wesentliche Rolle spielen. So sollen im Rahmen des Zukunftsprozesses ‚ekhn 2030‘ auf dieser Ebene Ressourcen konzentriert, Schwerpunkte gesetzt, Aufgaben geteilt und Gestaltungspielräume, auch für Innovationen, eröffnet werden. Vorgeschlagen sind unter anderem multiprofessionelle Teams von Pfarrer/innen, Gemeindepädagog/innen und Kirchenmusiker/innen, welche die Arbeit in einer Region gemeinsam gestalten. In beiden Dekanaten gibt es bereits Regionen und Nachbarschaftsbereiche, in denen Gemeinden kooperieren. Diese Zusammenarbeit soll vertieft und die Aufgaben erweitert werden, auch könnten neue, größere Regionen gebildet werden. „Viele Kirchenvorstände beginnen bereits mit Beratungen über engere Kooperationen und fragen nach Information und Koordination. Da insbesondere die künftige gemeindepädagogische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen stark auf regionale Kooperation setzen wird, sollten diese Prozesse miteinander verbunden werden“, betonte Dekanin Ulrike Schmidt-Hesse. Das neue Dekanat muss 2022 mit den Beratungen zu einem Gebäudeentwicklungskonzept beginnen. Auch hier sind die Regionen eine wesentliche Bezugsgröße. Das gilt auch für die Beratungen zur nächsten Pfarrstellenbemessung für den Zeitraum von 2025 bis 2030, die im Jahr 2023 beginnen. Für das neue Dekanat wird es jeweils einen hauptamtlichen Dekan oder eine hauptamtliche Dekanin sowie eine hauptamtliche Stellvertretung geben. Dekanin Ulrike Schmidt-Hesse erläuterte das Wahlverfahren, die Bewerbungsfrist für beide Ämter laufe noch bis 29. März. Nach Anhörung der Dekanatssynodalvorstände und Pfarrerinnen und Pfarrer werde die Kirchenleitung der EKHN im November einen Wahlvorschlag unterbreiten. Die konstituierende Synode des neuen Dekanats werde am 28. Januar 2022 wählen, die Kirchenleitung im Februar ernennen.Ulrike Hoppe informierte außerdem über den Stand der Konzeption für den Gemeindepädagogischen Dienst im fusionierten Dekanat. Hier würden die Ergebnisse am 29. März in einer Videokonferenz präsentiert und zur Diskussion gestellt. Bei der nächsten gemeinsamen Synode am 7. Mai soll dieKonzeption beschlossen werden.

Für den 25. Juni ist eine weitere gemeinsame Synode geplant. Ein Schwerpunkt soll hier der Name für das neue Dekanat sein. Die gemeinsame Synode endete mit einem Abendsegen.

(Veröffentlichung der Dekanate Darmstadt-Land und Darmstadt-Stadt)